Predigt im Advent 2009

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.  

Liebe GD-Gemeinde,

der Advent ist eine besondere Zeit
mit besonderen Reizen.

Es gibt Rituale, die passen nur in diese Zeit,
Lieder, die sonst nicht gesungen werden.

Musik hat ihre eigene Art, uns anzusprechen,
Botschaften zu vermitteln,

Gefühle anzuregen, Herzen zu erreichen.
Lieder gehören mit zum Advent.

Ein Lied möchte ich mit Ihnen gemeinsam wahrnehmen.
Es gehört zu den modernen Adventsgesängen.

Lassen Sie uns im Hören und Singen dieser Musik
dem Advent auf die Spur kommen,

Schritt für Schritt, Kerze für Kerze.

"Wir sagen euch an den lieben Advent" –
mit diesen Worten beginnt jede Strophe.

In Ihrem Gesangbuch steht es unter der Nummer 17.
Wir singen die erste Strophe. EG 17,1

Advent – eine heilige Zeit?
Oder eher ein geschäftiges, besinnungsloses, hektisches Treiben?

Immer wieder erleben Menschen diese Gratwanderung:

den Wunsch nach Besinnlichkeit und Ruhe auf der einen,
unendlich lange to-do-Listen auf der anderen Seite.

Weihnachtsfeiern reihen sich aneinander,
Jahresabschlüsse in Geschäften und Banken,

Menschen kaufen Geschenke,
schreiben Grußkarten,

machen Pläne fürs Festmahl,
rennen durch Einkaufsstraßen,

Autofahrer suchen verzweifelt nach einem Parkplatz,
Nerven werden gereizter,

Aggressivität steigt – erst recht in dieser Zeit.

Wie oft sind wir froh,
mal einen Abend ohne Termin zu haben.

Wer in dieser Zeit im Kaufhaus Sauer in Alzey war,
hat noch etwas anderes gemerkt:

Traurigkeit und Sorgen bei Angestellten,
weil Geschäftshäuser zu machen
oder sich verkleinern.

Menschen werden arbeitslos – auch in dieser Zeit.
 
Zwischen Kassenklingeln und Weihnachtsliedern
hat sich Existenzangst gemischt.

Manche haben in ihrer Not Galgenhumor entwickelt,
anderen ist nicht mehr zum Lachen.

Die Risikofreude gewissenloser Börsenmakler
und die damit verbundenen, uns bekannten Folgen
haben vielen ihre Freude im Keim erstickt.

„Freut euch, ihr Christen, freuet euch sehr.“ –
so heißt es in der ersten Strophe unseres Liedes.

Freuet euch – auch in dieser Zeit!

Wie sollen Menschen sich in diesen Tagen
freuen können?

Das Heilige hilft.

„Wir sagen euch an eine heilige Zeit!“ –
so haben wir ebenfalls gesungen.

Was ist heilig?

Wenn uns einer fragt, was uns heilig ist,
werden wir Verschiedenes antworten:

Viele werden sagen: Familie und Freunde.
Andere auch: Computer, Handy oder Freizeit.

Das Heilige, von dem das Lied spricht,
meint etwas anderes.

Heilig ist Gott.

Wo Gott ist, da ist ein besonderer, ein heiliger Ort,
da ist eine von Gott geschützte, eine heilige Zeit.

Wer zur Gemeinde Gottes gehört, ist heilig.

Alle, die getauft sind,
sind in der Gemeinschaft der Heiligen versammelt,
das ist Gottes Gemeinde.

Alle, die wir hier sitzen, sind heilig,
wir gehören aufgrund unseres Glaubens
in den Machtbereich Gottes hinein.

Wo ein Gottesdienst gefeiert wird,
da entsteht ein heiliger Raum, eine heilige Zeit.

Die Heiligkeit ist nicht an den Ort gebunden,
sondern an Gott.

Wo Gott ist, da ist Heiligkeit.

Nach unserem ev. Glauben sind Gebäude an sich
nicht heilig.

Auch ein Abendmahlsgeschirr
ist kein heiliger Gegenstand,
sondern eine gebräuchliche Sache.

Das Abendmahl selbst aber ist heilig.
Wo Abendmahl gefeiert wird, ist Gott.

Mit Gott zieht das Heilige in unsere Welt ein,

und gleichzeitig nimmt Gott uns
aus dieser Welt heraus

und stellt uns in seinen Machtbereich hinein.

Das Heilige ist wie eine Insel – mitten in unserer Zeit – und doch wieder außerhalb unseres Alltags –

eine Insel, auf der wir Ruhe und Besinnung finden,
in dieser ansonsten so besinnungslosen Zeit.

Vielleicht, dass es uns Freude machen kann,
uns herausgenommen zu fühlen
aus dieser sonst unruhigen, Sorgen machenden Zeit.

Wir singen die nächste Strophe des Liedes EG 17,2:
                                                             
Menschen im Glauben an Christus versuchen,
ihre Nächsten zu lieben.

Auch, wenn uns das manchmal schwer fällt,
auch wenn es uns misslingen kann.

Christen versuchen, andere mit Würde und Anstand,
achtungsvoll, liebevoll, respektvoll zu behandeln,
jeden Tag neu.

Nächstenliebe ist ein Zeichen christlichen Daseins, christlicher Gemeinde.

In so einer Gemeinde herrschen nicht immer
Friede und Freude,

da gibt es auch unterschiedliche Meinungen,
da gibt es manchmal auch Streit.

Streit kann klärend sein, zumindest,
wenn Menschen sich auch dabei von Liebe leiten lassen,

die Person des anderen wertschätzen,
kritisieren ohne zu verletzen,
die Würde des anderen achten.

Auch Christen können miteinander streiten,
das ist in jedem Fall besser als hinterrücks zu sein.

In unseren Gottesdiensten ist immer wieder
von Bruder und Schwester die Rede.

Christen sind Geschwister
mit Gott als Vater und Mutter,
und Jesus Christus als Bruder an unserer Seite.

Wer von uns Geschwister in der Familie hat, der weiß:
Auch da gibt es manchmal Streit.

Geschwister, die der Glaube an Jesus Christus vereint,
die dürfen miteinander streiten,

sie werden aber auch immer wieder versuchen,
Friedenstifter zu sein,

einen Ausgleich zu finden,
um Vergebung zu bitten – für sich und andere –

einander zu verzeihen,
die werden füreinander da sein.

Wahrscheinlich hat jeder und jede von uns
in der Vergangenheit an irgendeiner Stelle seines Lebens
Glaubensgeschwistern gegenüber Solidarität
und Mitgefühl gezeigt.

Andere, die Solidarität und Mitgefühl erfahren haben,
haben sich dadurch geborgen gefühlt,
angenommen, beachtet,
in ihrer Situation respektiert und verstanden.

Die von uns, die Liebe geschenkt bekamen –
durch ein freundliches Wort, eine aufmerksame Geste –
die haben gemerkt, wie gut das tut,
dass Liebe ihnen Kraft geben kann.

Das Lied, das wir singen, sagt: „Weiter so!“
Bleibt liebevoll, aufmerksam zueinander!

Wir singen die 3. Strophe: EG 17,3

Was diese Welt mehr als alles andere braucht,
ist Güte.

Güte ist unabhängig von Intelligenz,
Güte ist eine Bildung des Herzens.

Was macht Güte aus?
Woran erkennen wir, dass Menschen gütig handeln?

Ich denke, wir erkennen es daran,
dass einer dem anderen verzeiht.

Wir erkennen es daran,
dass Menschen sich aufrichtig füreinander freuen können,
dem anderen gönnen, dass er glücklich ist.

Wir erkennen es da,
wo das Leben des anderen mehr zählt als der eigene Vorteil,
mehr als Macht, Karriere und Geld.

Gott ist in unsere Welt gekommen,
nicht als Sohn eines Kaisers Augustus,
auch nicht als Sohn eines Königs Herodes,

sondern als Kind eines Zimmermanns
und einer unehelich Schwangeren.

Jesus hat nicht studiert, war kein Gelehrter.

Jesus ist selbst Zimmermann geworden.
Als besitzloser Prediger ging er später auf Wanderschaft.

Und da ging er zu den einfachen, den ausgegrenzten,
den missachteten Leuten.

Fischer machte er zu seinen Jüngern,
ehemalige Prostituierte zu Jüngerinnen.

Mit seiner Güte gab er Menschen einen neuen Wert,
eine neue Chance für ihr Leben.

Jesus traut uns zu,
selbst solche Spuren von Liebe zu setzen,

Licht zu sein in einer Welt,
wo Menschen die Menschenrechte oft mit Füßen treten.

Jesus sagt zu uns: Ihr seid das Licht der Welt!

Tut gute Werke!
Eure Werke werden unter den Menschen leuchten.

Liebe macht unsere Welt hell.

Jesus – Licht der Welt – hat die Welt hell gemacht.
Er wirkt in ihr – auch heute.

Wir singen im Hinblick, auf den, der kommen wird,
die 4. Strophe: EG 17,4

Gott kommt – auf Wegen, die wir vorbereiten,
in unsere Häuser, in unsere Herzen.

Sich auf Gott vorbereiten –
das ist der Sinn der Adventszeit.

Solche Vorbereitung
kann das Hören eines Adventsliedes sein

oder das Anzünden einer Kerze in der Hoffnung,
dass Gottes Licht scheint.

Mit unserem Glauben, unserer Hoffnung
können wir so für andere Licht sein.

Lassen wir Gott zu uns kommen,
seine Liebe wird Herzen erreichen,
sie leuchtet in uns und aus uns zugleich.

Gottes Liebe kann sich bei sich sein,

sie drängt nach außen in die Welt,
zum anderen, zum Fremden, dem Mitmenschen,
dem Nächsten.

Liebe macht Solidarität möglich – über alles, was Menschen sonst voneinander trennt.

Das Friedenslicht von Bethlehem ist dafür ein sichtbarer Beweis:

Vor einigen Tagen wurde dieses Licht
von der katholischen Gemeinde zu uns gebracht.

Jetzt steht es in unserer Kirche und wartet darauf,
dass wir es an Heilig Abend weitergeben.

Gottes Licht leuchtet, damit Menschen sich freuen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.