Vorwort Sommer

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich mag den Himmel, das weite Blau, das Spiel der Wolken, das Licht der Sonne, wenn es fächerartig zartgelb durch die Wolken hindurch zur Erde fällt. Und ich mag den Sternenhimmel in der Nacht. Es gibt noch einen anderen Himmel, den wir nicht sehen oder noch nicht sehen können, der uns aber verheißen ist. Von ihm erzählt der Seher Johannes im Buch der Offenbarung im 21. Kapitel:

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr da. Und ich sah die Heilige Stadt: das neue Jerusalem. Sie kam von Gott aus dem Himmel herab – für die Hochzeit bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron herrufen: »Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen.« Der auf dem Thron saß, sagte: »Ich mache alles neu.« Und er fügte hinzu: »Schreib alles auf, denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.« Dann sagte er zu mir: »Es ist geschehen! Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich werde dem Durstigen Wasser geben, das aus der Quelle des Lebens fließt. Ich gebe es ihm umsonst. Wer siegreich ist und standhaft im Glauben, wird das alles als Erbe erhalten. Ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.«

Ist das nicht eine phantastische Verheißung für die Menschen angesichts des Krieges, der Krankheiten und des Todes in der Welt? Eines Tages, sagt Johannes, wird all das ein Ende haben. Dann werden nicht mehr Menschen herrschen, sondern Gott. Es gibt keine Despoten und keinen Egoismus mehr. Niemand muss um sein Leben fürchten, wenn Gottes Reich Wirklichkeit wird. Denn Gottes Art zu herrschen ist die Liebe, die allen Menschen Frieden bringt.

Im Deutschen kennen wir nur ein Wort für Himmel. Wenn wir vom Himmel reden, dann meinen wir den Wetterhimmel über uns oder Gottes Welt. Im Englischen gibt es dafür zwei Begriffe: sky und heaven. Diese Unterscheidung beugt Missverständnissen vor. Der Astronaut Juri Gagarin, der am 12. April 1961 als erster Mensch im Weltraum war, soll nach seiner 108 Minuten dauernden Erdumrundung gesagt haben: „Gott habe ich dort oben nicht gefunden.“

Jesus sagt, Gottes Reich ist nicht von dieser Welt, es ist aber auch nicht über uns im Himmel, sondern mitten unter uns. Im Wetterhimmel sind die Wolken und Flugzeuge, die Satelliten und Raumstationen, die Sterne und Planeten, die unendlichen Weiten des Alls. Sicher ist Gott auch da zu finden, aber eben nicht nur. Für uns Christen ist er sichtbar und spürbar als Mensch. In Jesus Christus kommt er uns zum Greifen nahe. Mit seinem Leben zeigt Jesus, was Gottes Reich ist und wie es wirkt.

Gottes Welt ist eine Gemeinschaft zwischen Gott und den Menschen, wo niemand dem anderen etwas Böses antut und keine der anderen etwas wegnehmen will. Alle bekommen dasselbe: ein immerwährendes Dasein in der Gegenwart Gottes, in der sich alles Sehnen erfüllt, wo jede Verletzung geheilt und jeder Kummer gestillt wird.

Einen Vorgeschmack darauf, wie es sein wird, wenn Gott regiert, bekommen wir Christen beim Abendmahl, wenn wir Brot und Wein miteinander teilen. Bei den Gottesdiensten zur Konfirmation haben wir nach zwei Jahren Verzicht darauf wegen Corona in den evangelischen Gemeinden im Kettenheimer Grund wieder Abendmahl gefeiert. Die Konfirmanden bekamen Brot und Traubensaft in kleiner Runde am Altar ausgeteilt. Anschließend brachten sie Brot und Saft in Minibechern zu ihren Familien. So nahmen alle an der Mahlfeier teil. Es war ein fröhliches und lebhaftes Treiben, das offenbar allen gut gefallen hat.

Die kleinen Plastikbecher beim Abendmahl sind nur eine provisorische Lösung gewesen, sie wurden nach jeder Mahlfeier ordentlich gespült und wiederverwendet. Der Umwelt zuliebe werden jetzt von den Kirchenvorständen Einzelkelche aus Metall angeschafft. Sie kommen spätestens an Erntedank zum Einsatz, damit wir Brot und Wein oder Saft auch in Zukunft ohne Angst vor ansteckender Krankheit teilen.

Wer Sehnsucht hat nach Liebe und Frieden ist herzlich eingeladen, das Abendmahl zu feiern. Schauen Sie dabei hoffnungsfroh in Gottes Welt. Sein Himmel steht uns offen.

Es grüßt Sie herzlich Ihre Gemeindepfarrerin

Anja Krollmann