Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist eine andere Zeit, in der wir sind. Seit März herrscht Covid19 auch in unserer Gegend. Schulen und Kitas wurden geschlossen, dann folgten Geschäfte, Restaurants, Cafés, Frisöre, Schönheitssalons und Fitnesscenter. Einige Betriebe meldeten Kurzarbeit an. Mitarbeitende gingen, wo es möglich war, ins Homeoffice. Im schlimmsten Fall wurden Angestellte entlassen. Selbstständige Existenzen stehen auf dem Spiel. Der Lockdown bremste das Leben aus. Es wurde beängstigend still. Manche Orte wirkten wie ausgestorben, Straßen waren wie leergefegt. Freie Fahrt galt selbst zur Stoßzeit auf den Autobahnen. „Wir bleiben Zuhause!“ Das stand auf Schildern, die in Fenster gehängt worden sind. Einige der Aushänge waren mit bunten Regenbögen verziert.

Der Regenbogen ist ein Sinnbild der Hoffnung dafür, dass das Leben weitergeht. Diese Zusage verbunden mit dem Himmelszeichen finden wir im Buch Genesis, Kapitel 9. In den Kapiteln davor lesen wir, dass Gott die Erde durch gewaltige Wassermassen überfluten lässt, weil weite Teile der Menschheit sich von ihm abgewendet haben und Böses tun, anstatt dem Guten zu dienen. Gott bereut, dass er sie geschaffen hat, und will sie vernichten. Nur Noah und seine Familie werden verschont, weil Noah Gott wohlgefällig und treu ist:

Als Gott ihm befiehlt, einen Kasten zu bauen, tut er es, obwohl er von seinen Nachbarn dafür ausgelacht wird. Als Gott ihm sagt, er soll von jeder Art ein männliches und ein weibliches Tier mit in die Arche nehmen, setzt er die Anweisung um. Zuletzt soll er selbst mit seiner Familie in den Kasten hineingehen und die Tür verschließen, weil die Flut beginnt. Die Wassermassen steigen schnell und hoch, so dass alle Landbewohner ertrinken. Nicht nur die Menschen sterben, auch die Tiere, die nicht in der Arche sind. Nur die im Kasten werden gerettet. Als Gott die Wasser sinken lässt, die Arche auf einem Gipfel sicheren Halt findet, können Mensch und Tier trockenen Fußes von Bord gehen. Das Leben bleibt bestehen, es kann wieder aufblühen und sich fortpflanzen.

Ob die Gefährdung des Lebens durch Covid19 und die Sintflut in einem Zusammenhang stehen, das zu beurteilen, überlasse ich Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser. Parallelen lassen sich finden: In beiden Katastrophen ist es der Mensch, der mit seinem Handeln dafür sorgt, dass er und andere existentiell gefährdet sind und Schaden nehmen. Beide Geschichten haben ein happy end, und doch gehen sie nicht für alle gut aus. Das Leben geht weiter, aber es ist anders als vorher, anders als vor dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens, dem Lockdown oder dem Verschließen der Archetür.

Manche Reise musste in diesem Jahr gestrichen werden. Für die Ferien wurde umdisponiert, weil Länder ihre Grenzen geschlossen haben, das Virus medizinisch noch nicht beherrschbar ist oder das Verreisen aus finanziellen Gründen schwierig wird. Mancher wird seinen Urlaub bewusst Zuhause verbringen, im Garten oder auf dem Balkon. Einige werden mit dem Fahrrad oder beim Wandern die Gegend und umliegende Natur erkunden. Wo immer wir in diesem Sommer sein werden, erholen können wir uns, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen innezuhalten, aufzuatmen, auszuruhen, gedanklich abzutauchen, zum Beispiel indem wir ein gutes Buch lesen oder mit unseren Lieben zusammen den Tag zu genießen. Ich wünsche Ihnen in jedem Fall einen erholsamen, von Sorgen freien Sommer!

Es grüßt Sie herzlich Ihre Gemeindepfarrerin

Anja Krollmann


Wichtige Informationen

Liebe Menschen aus Nah und Fern,

wegen der besonderen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit finden Gottesdienste, Gruppen und Kreise in unseren Kirchengemeinden vorübergehend nicht statt.
Eine seelsorgerliche Begleitung bietet das Pfarramt Kettenheim telefonisch an.
Bitte hinterlassen Sie dazu Ihren Namen und Ihre Telefonnummer auf dem Anrufbeantworter, Telefon: 06731/43358. Pfarrerin Anja Krollmann ruft Sie, so bald als möglich, zurück.

Weiterhin gilt für die uns auferlegte Zeit: Beerdigungen finden unter freiem Himmel statt, so auch die vorbereitenden Gespräche. Alternativ können Trauergespräche am Telefon geführt werden. Taufen und Trauungen sind auf die Zeit nach der Pandemie zu verschieben.
Auch unser Gemeindeleben ist auf Gespräche am Telefon und Kontakte am Gartenzaun reduziert. Wenn Sie jedoch aus dem Kettenheimer Grund eine Hilfe beim Einkaufen oder für Fahrten zum Arzt benötigen, melden Sie sich bitte telefonisch im Pfarramt Kettenheim.

Bleiben Sie behütet, besonnen und hoffnungsfroh! Möge jenes Gebet von Reinhold Niebuhr Sie begleiten:

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Es grüßt sie herzlich Ihre Gemeindepfarrerin

Anja Krollmann