Predigt am Weihnachtsfeiertag 25./26.12.08

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.  

Liebe Festtags-Gemeinde,

ich möchte heute über einen Gegenstand
in unserer Kirche predigen,

der nicht das ganze Jahr hier steht,
sondern nur eine bestimmte Zeit im Jahr.

Heute predige ich über unseren Christbaum.

Von fleißigen Händen wurde er aufgestellt,

festlich geschmückt – mit viel Mühe,
und liebevoll dekoriert.

Vielleicht haben Sie auch einen Zuhause.

Oder vielleicht erinnern Sie sich daran,
wie er früher bei Ihnen Zuhause ausgesehen hat.

Laut einer Umfrage gehört der Weihnachtsbaum
zu den beliebtesten Weihnachtsbräuchen.

Ca. 20 Millionen natürliche Christbäume
werden - in Deutschland - pro Jahr - aufgestellt:

in Häusern, auf Plätzen, Märkten, in Kirchen,
so wie dieser Baum hier.

Aber Weihnachtsbäume sind - nicht nur -   
ein schöner Schmuck:

Sie erzählen auch etwas,
sind selbst eine Weihnachtspredigt.

Hören wir bei der Predigt dieses Weihnachtsbaumes
genauer hin.

Schauen wir uns - diesen geschmückten Baum -genauer an.

Wir müssen nur hinhören und hinsehen.
Seine Predigt fängt mit dem Weihnachtsschmuck an:

Vieles von dem,
was - traditioneller Weise - am Christbaum hängt,
erzählt ein Stück der Weihnachtsgeschichte.

Hängt an Ihrem Baum Engelshaar dran?

Das Engelshaar weist auf die zahlreichen Engel hin, die an und um Weihnachten
ihre Botschaft verkündigen:

Ein Engel sagt Maria -- die Geburt ihres Sohnes an.

Ein Engel erscheint Josef im Traum und sagt ihm,
dass er mit Mutter und Kind
nach Ägypten fliehen soll,
weil Herodes alle Neugeborenen töten lässt.

Engel verkünden den Hirten auf den Feldern
die Geburt des Heilands in Bethlehem.

Wer Engelshaar an seinen Weihnachtsbaum hängt,
der erinnert an die himmlische Botschaft

und verbindet - vielleicht - damit den Wunsch,
einem Engel zu begegnen,

den Himmelswesen nahe zu sein,
sie um Geleit und Schutz zu bitten.

Bei meinen Eltern ist an deren Christbaum
immer Lametta dran,
auch ein Stück Weihnachtsgeschichte.

Lametta, glitzernde Girlanden und Gold aller Art
stehen für die Geschenke,

die die Weisen aus dem Morgenland
dem Kind im Stall bringen:
Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Das sind ganz besondere Geschenke,

nicht für ein einfaches Kind,
sondern für einen König.

Die Geschenke der Weisen aus dem Morgenland,
Gold, Girlanden, Flitter der Christbäume
zeigen dasselbe:

Mit Jesus kam ein König,
der König des Himmels und der Erde auf die Welt.

Und doch liegt dieser Herrscher
in einer ärmlichen Krippe,
bei gewöhnlichen Menschen:

Maria und Josef waren nicht reich.
Josef war Zimmermann.

Sie waren nicht von Adel,
sie nächtigten nicht in einem fünf Sterne Hotel.

Der König der Welt
wurde nicht in eine heile Familie geboren,

sondern von einer unehelich
schwanger gewordenen Frau.

So kommt Gott selbst zur Welt:
kommt Gott uns nahe.

Hören wir hin, was der Baum noch erzählt.

An meinem Christbaum – an Ihrem vielleicht auch –
hängen  jede Menge Sterne dran.

Sterne erinnern an den einen Stern,
der über dem Stall von Bethlehem geleuchtet hat.

Mit Hilfe dieses Sterns
fanden die Weisen den Weg zum Kind im Stall.

Der Stern führte sie zum Heiland in der Krippe.

An die Krippe erinnert das Stroh,
aus dem manche Sterne am Christbaum gemacht sind.

Eine Krippe voll Stroh
war das erste Bett dieses Kindes.

Wobei man sich vorstellen kann,
wie das Stroh ihn gepiekst haben mag.

Stroh symbolisiert,
dass Leben wehtun kann,

es steht für die ärmlichen Bedingungen,
in die dieses Kind zur Welt kam,

wie so viele andere Kinder - vor und nach ihm -  

unter ärmlichen Bedingungen
zur Welt kamen und kommen werden.

Mit diesem Kind aber kommt Gott selbst zur Welt.
Der König der Welt wird in einem Stall geboren.

Lichter gehören sicher mit - zu jedem Christbaum,
einige haben Glühlämpchen,
andere echte Kerzen dran.

Wenn es dunkel ist,
lassen sie ihr Licht besonders schön leuchten,

im Glitzerschmuck des Baumes wird ihr Licht tausendfach reflektiert,

Raum und Zeit bekommen
einen Hauch von Geheimnis und Wunder.

Lichter erzählen von der Herrlichkeit des Himmels,
sie sagen: Mit Jesus kam dieses Licht in die Welt.

An Weihnachten strahlt Gottes Licht auf unsere Erde,
macht jede Finsternis freundlich und hell:

Gottes Licht strahlt - in jedes Land,

auch in das eines von Krieg und Ungerechtigkeit 
unterdrückten Volkes.

Gottes Licht strahlt - in jedes Haus,

zu den Reichen und Armen,
den Kranken und Gesunden.

Gottes Licht dringt in die Finsternis,
die auch in unserer eigenen Seele sein kann.

Es wärmt und erleuchtet die Herzen der Menschen.

Jesus Christus - das Licht der Welt.

Ein Strahl der Herrlichkeit des Himmels
fällt auch auf unser Leben.

Jesus weiß, er hat es am eigenen Körper gespürt:

Auch in diesen Tagen leiden Menschen an Hunger,
fürchten sich vor Hass und Gewalt,

bangen um ihren Arbeitsplatz,
sind zerstritten,

werden lieblos behandelt,
missachtet oder übersehen,

sind einsam,
erleben sich am Rand der Gesellschaft.

Jesus kennt ihr Leiden,
nimmt ihre Not selber an.

In der Passionszeit werden wir daran erinnert:

Auch Jesus wurde entrechtet,
gefangen genommen,
misshandelt, verachtet,

verspottet, geschlagen,
gefoltert, getötet am Kreuz,

von fanatischen oder gleichgültigen Menschen.

Seine Liebe hat jedoch auch den Tod besiegt,

so werden wir es an Ostern wieder hören,
seine Liebe zu Gott und zu den Menschen.

Das Licht des Weihnachtsbaums erinnert daran:
Gottes Licht scheint.

Den ältesten Schmuck am Christbaum nenne ich nun:
Das sind die Äpfel – echte oder aus Holz.

Es gibt sie auch in stilisierter Form:
die Kugeln aus Glas oder Plastik.

Der Baum mit den Äpfeln
weist auf das Paradies hin.

So waren die ersten Christbäume Paradiesbäume.

Früher wurden sie sogar am Fuß des Ständers
mit kleinen Paradiesgärtchen,
aus Moos und Zweigen dekoriert.

Ich glaube kaum,
dass einer von uns den Heiligenkalender beachtet,

wer ihn dennoch kennt, der weiß:

Der 24. Dezember ist der Namenstag
von Adam und Eva.

Er erinnert an unsere biblischen Urahnen,
die das Paradies verloren haben.
Der Christbaum weist ebenfalls daraufhin:

Er spiegelt die Sehnsucht nach dem Paradies wider,

erinnert an den Preis der Freiheit,
die der Mensch gezahlt hat,

indem er frei handeln kann,
mit oder gegen Gott.

An diesen Preis der Freiheit
erinnert der Weihnachtsbaum.

Er verkörpert auch die Hoffnung,
dass mit Jesus Christus die Tür zum Paradies
wieder auf ist,

dass wir eines Tages wieder ganz und gar
bei Gott sein werden.

So heißt es in einem Weihnachtslied:

„Heut schließt er wieder auf die Tür
zum schönen Paradeis,
der Cherub steht nicht mehr dafür,
Gott sei Lob, Ehr und Preis.“

Liebe Festtagsgemeinde,

ich hoffe, dass Sie Ihren Christbaum
von nun an mit neuen Augen sehen werden.

Vielleicht setzen Sie sich vor ihn hin
und hören ihm mit neuen Ohren
bei seiner Weihnachtspredigt zu.

Und vielleicht werden Sie ihn dann
am kommenden Weihnachtsfest
noch bewusster schmücken.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.