Predigt zum Totengedenken am 23.11.2008

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe GD-Gemeinde,

Kreuze – gehören zu unserem Leben.
Heute sind wir sogar von ihnen umgeben.

Oft sind wir ihnen begegnet –
kaum einer hat sie gezählt:

Kreuze an Straßenrändern,
an Gedenktafeln, -- auf Friedhöfen,

Symbol für Leiden,
für Sterben, --für Tod.

Kreuze zeigen, dass ein Leben zu Ende gegangen ist: 

gewaltsam oder freiwillig –
langsam oder ganz plötzlich –
herbeigesehnt oder viel zu früh.

Kreuze erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens.

In so manchem Haus - gab es - in diesem Kirchenjahr
ein schmerzliches Ende,

einen letzten Abschied,
eine unerbittliche Trennung,

Tränen, die um einen Menschen geweint worden sind,
Wunden an Körper und Seele.

Das Kreuz -- ist auch ein Zeichen dafür,
dass so manche Lebenspläne durchkreuzt worden sind.

Der Tod schnitt Lebenslinien ab.

Lassen Sie uns das Kreuz heute - bewusst betrachten -
konzentriert – in Ruhe – vielleicht länger als sonst.

Ein einfaches Kreuz auf einem Blatt Papier
habe ich - jedem von Ihnen - mitgebracht.

Vielleicht nehmen Sie es mal in die Hand.

Nehmen Sie sich Zeit,
dieses Kreuz auf sich wirken zu lassen.

Und hören Sie Gedanken,
die mir

– während ich dieses Kreuz betrachtet habe –
ins Bewusstsein gekommen sind.

Vielleicht ist auch der ein oder andere Gedanke
für Sie dabei. ----

Im Kreuz streben Linien
aus verschiedenen Richtungen

auf die Mitte zu.
Von ganz unterschiedlichen Seiten
treffen sie sich - an einem Punkt:

genau in der Mitte.

Würden die Linien die Mitte verfehlen,
es wäre kein Kreuz. ----

Mit den Linien des Kreuzes
ist es wie mit dem Leben:

Wie oft sammeln sich unterschiedliche Gefühle in uns, Gedanken, Stimmungen, Pläne, Wünsche.

Da gibt es Trauer und Dankbarkeit,
Hoffnung und Zweifel.

Mal wissen wir nicht wohin.

Mal sehen wir keinen Ausweg,
erfahren das Leben als Einbahnstraße.
Mal fühlen wir uns einsam.
Mal sehnen wir uns nach Ruhe.

Wie die Linien eines Kreuzes –
so ambivalent kann Leben sein.

Im Kreuz treffen die Linien auf die Mitte.

Wo sie zusammentreffen,
ist das Kreuz.

Das Kreuz – ein christliches Symbol für Leben.

Die Mitte,
in der die Linien sich treffen, -- ist Christus.

Er starb am Kreuz -- und er lebt.

Das glauben,
darauf vertrauen wir als Christen.

Am Kreuz kommt Gott selbst uns nahe,

nimmt Gott unser Leiden, -- unser Sterben,
unseren Tod -- in sich auf.

Am Kreuz begegnet Gott uns Menschen,
geht mit,

wendet und verwandelt Tod in Leben.
Das Kreuz - ein Zeichen für Hoffnung,

ein Symbol,
in dem Christus uns nahe ist.

Das Kreuz Jesu Christi
steht in unserer Welt,

trägt uns und unser Leben,

hat die Welt,
die Ambivalenz des Lebens
in sich aufgenommen:

Trauer und Dankbarkeit,
Hoffnung und Zweifel,

fehlende Orientierung und Ausweglosigkeit,

das Gefühl, - einsam zu sein,
und die Sehnsucht nach Ruhe. ----

Der horizontale Balken trägt die Welt.

Der vertikale durchkreuzt sie,
verbindet Himmel und Erde.

Würde der vertikale Balken fehlen:
hätten wir ein großes Minus,

es fehlte die Verbindung
zwischen Himmel und Erde.

Lassen Sie mal Ihren Blick
an dem horizontalen Balken entlang fahren.

Wenn der Kopf diese Bewegung mitmacht:
entsteht in dieser Bewegung: ein Nein.

Manchmal spüren wir dieses Nein -- in uns:

Lehnen uns auf gegen das, was ist,
gegen das, womit wir konfrontiert werden,

was wir nicht haben,
was wir nicht wahr haben wollen:

Trauer und Schmerz,
Krankheit und Sterben,

den Verlust eines Menschen.

Der horizontale Balken steht für die Welt,
wie sie ist:
sichtbar, -- verletzlich,
zerbrechlich, -- vergänglich.

Manchmal sagen wir „Nein“ zu dieser Welt.
Gott sagt auch Nein:

Gott sagt:
Diese Welt ist nicht die einzige,
nicht die letztgültige Wirklichkeit.

Diese Welt ist nicht alles.

Es gibt eine andere Welt,
eine andere Wirklichkeit,

in der Menschen heil werden.

Diese andere Wirklichkeit symbolisiert der andere,
der vertikale Balken. ----

Lassen Sie Ihren Blick mal
an diesem vertikalen Balken entlang fahren.

Wenn der Kopf diese Bewegung mitmacht,
haben wir in dieser Bewegung: ein Ja.

Manchmal spüren wir - dieses Ja - auch in uns:
Gott sagt: Ja zu uns.

Gott sagt: „Ja, ich bin bei dir.“
„Ja, ich bleibe bei dir, -- ganz gleich, was passiert.“

Liebe Gemeinde,
diese vertikale Linie des Kreuzes ist wichtig:

sie macht das Minus zum Plus,
in ihr bejaht Gott das Leben.

So ändert Gott die Bedeutung des Kreuzes für uns –

Aus dem Zeichen für Leiden, --
für Sterben, -- für Tod,
wird ein Zeichen der Liebe,
ein Symbol des Lebens.

Vertikaler und horizontaler Balken
bringen beide zusammen:

Gott und Welt,
Erde und Himmel.

Mitten im Kreuz liegt der Schnittpunkt
von Ja und Nein,

da ist die Verbindung zwischen dem liebenden Gott

und der sich nach Heil sehnenden,
erlösungsbedürftigen Welt.

Das Kreuz – ein Zeichen von Gottes Erbarmen:

Liebe hält Leiden aus,
Gott begegnet uns an den Schnittstellen des Lebens,
Gott durchkreuzt die Welt,
macht aus dem Minus ein Plus.

Das Kreuz – ein Zeichen für Auferstehung.

Das Kreuz zeigt:
Liebe ist stärker als der Tod.

Bei Gott siegt am Ende das Leben. ----

Martin Luther hat einmal gesagt:
„Das Kreuz stellt alles auf die Probe.“

Kreuze erinnern uns daran:

Leben ist verletzlich, -- gefährdet,
zerbrechlich, -- vergänglich.

Und doch :
Sehen wir das Kreuz als ein Plus,

ahnen wir,

dass es mehr gibt,
als wir gegenwärtig sehen und verstehen

ahnen wir darin eine Welt,
in der weder Leiden noch Tod sind,

eine Welt, -- in der Gott ist.

„und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; …
und Gott spricht: Wer überwindet, der wird es alles ererben, und ich werde sein Gott sein, und er wird mein Kind sein.“

Liebe Gemeinde,

wo Gott ist,
ist heiles, vollkommenes, unzerstörbares Leben.
In diesem Gott dürfen wir unsere Verstorbenen
gut aufgehoben glauben,

in der Mitte des Kreuzes,
bei Jesus Christus,

wo Himmel und Erde eins sind,

an der Schnittstelle zwischen Nein und Ja,
zwischen Tod und Leben,

Gott und Menschen vereint.

Sehen wir auf die Mitte der Linien,
sehen wir auf das Kreuz,

finden wir Trost und Hoffnung -- für die ganze Welt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.