Weihnachten 2007

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

Liebe Festtagsgemeinde,
einer meiner Kollege hat neulich gefragt:

„Was bleibt von Weihnachten,
wenn das Kind in der Krippe fehlt?“

Er sagte dies im Blick auf jene Menschen,
die ohne Christentum,

ohne Gott Weihnachten feiern,
Weihnachten ohne Christus.

Das scheint in sich schon ein Widerspruch zu sein.

Dabei gehen Kaufhäuser und Lebensmittelmärkte
genau mit diesem Trend.

Die Werbeprospekte,
die mir in den letzten Wochen in die Hände kamen,

zeigten,
was – nach Ansicht findiger Geschäftsleute –

offensichtlich zum Fest gehört:

Kaviar, Trüffelpastete, Champagne,
Schmuck, Seide, Kaschmir und vieles mehr.

Eine moderne Variante
auf die Geschenke der heiligen drei Könige,

dachte ich,
wobei der Kunde selbst zum Christkind wird,

das sich einen Hauch von Gold, Weihrauch und Myrre erkaufen muss.

Weihnachten, das nur mit diesen Werten gefeiert wird, ist für mich eine sinnentleerte Zeit.
Keiner dieser Werte ist von Dauer,
ist kein bleibender Besitz,
nichts, was hält oder zufrieden stellt für immer.

Martin Luther hat einmal gesagt:
„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“
wobei – für uns Christen –
nur der von Christus verkündigte Gott
Heil bringt und Leben.

Weihnachten ohne Gott  ist sinnlos und leer.
Das Kind in der Krippe gehört zum Fest.
Weihnachten ist sozusagen ein Fest des Kindes.

Dieses Fest birgt viele Erinnerungen –
auch an unser eigenes Kindsein.

Wobei: Kindsein und Kindheit
Verschiedenes meinen:

Kind sind wir als Gotteskinder.
Kindheit ist dagegen ein einmaliges,
für die meisten von uns ein vergangenes Ereignis.

Manche Erinnerungen an unsere Kindheit
werden dennoch bleiben.

Gerade an Weihnachten fallen uns viele Geschichten über unsere eigene Kindheit ein,
entstehen Bilder vor unserem geistigen Auge.

Da gibt es schöne und weniger schöne Erinnerungen:

Die Älteren unter uns verbinden mit Kindheit
noch Weihnachten im 2. Weltkrieg:

das Fest ohne Vater, die Familie auf der Flucht,
der Bruder vermisst.

An Weihnachten im 2. Weltkrieg
erinnert sich auch der,
der als Jugendlicher im Schützengraben gewesen ist.

Auch heute ist Weihnachten - für manchen von uns eine schwere Zeit:

Menschen, die uns fehlen, vermissen wir –
gerade in diesen Tagen.

Da gibt es auch traurige oder einsame Momente.

Weihnachten ist eine stille,
manchmal eine wehmütige Zeit.

Für manch einen kann die Stille dieser Tage erdrückend werden.

Ein anderer hat sich nach Stille gesehnt:

Endlich – nach dem Stress der Vorweihnachtstage
können Menschen ruhiger werden,

wird es um uns und in uns friedlicher und still.

Bei vielen herrscht Freude
über die gemeinsame Zeit mit der Familie,

über das Heilige, das Besondere.

Das Leben wird langsamer,
an Weihnachten hält es einen Moment inne, hält still –

bevor es sich -- in den Tagen danach --
von neuem zu drehen beginnt. ----

Ein Gebilde,
in dem sich gerade in diesen Tagen vieles dreht,

ist die Weihnachtspyramide:
Eine solche Pyramide habe ich Ihnen mitgebracht.

Ich gehe mal hin, um die Kerzen daran anzuzünden, damit sie sich zu drehen beginnt.

Kerzenanzünden

In dieser Weihnachtspyramide sind alle Figuren,
die für die Weihnachtsgeschichte wichtig sind:

Da sind das Kind in der Krippe, daneben seine Eltern,
die Engel und die Hirten auf dem Feld.

Da sind die drei Könige, auch die Weisen genannt.
Wenn wir uns vorstellen,
dass diese Figuren sprechen könnten,

dann entstünde zwischen einigen von ihnen
vielleicht folgendes Gespräch: ----

Wer unter uns Kontakt zu seiner eigenen Kindheit hat, der wird dieses Gespräch jetzt hören können.  -----

Der eine der Hirten hat – beim Kerzenanzünden kräftig geschimpft.

Er sagt:

„Jetzt geht das wieder los!
Jeden Tag dasselbe:

Immer dieses Karussell.
Immer der gleiche Trott.

Ich möchte Ruhe und Frieden!
Doch kaum bin ich aufgestanden, fängt es an:
Funktionieren, Dienst tun, Aufgaben, Pflichten.

Schon die Kinder werden darauf getrimmt.

Ich lebe von Urlaub zu Urlaub.
Dazwischen verrinnt die Zeit.

Vom Verdienst meiner Arbeit
will ich meine Früchte genießen,

doch wenn ich alt bin, trage ich das Geld zum Arzt.

Ist das der Sinn des Lebens?
Soll das alles sein?

Wozu bin ich auf der Welt?
Zum Rotieren?“ ----

Der eine der Weisen antwortet:
„Wenn du glaubst, du drehst dich um’s Geld,
um Urlaub, um ein Leben in der Rente,
dann hast du keinen Halt.

Kein Wunder, dass dir mit der Zeit schwindelig wird!

Ich habe meine Mitte in Jesus gefunden.
Gottes Liebe wurde in diesem Kind Mensch.

Gott ist gekommen,
unser sinnloses Rotieren zu beenden.

Gott erinnert uns daran,
gibt unserem Leben einen Sinn.

Es ist das Kind in der Krippe.

Zu diesem Kind bin ich unterwegs –
auch wenn ich dabei Umwege nehme

oder mich im Kreis drehe – das ist nicht schlimm.
Gott kommt zu mir.
Seine Liebe gibt mir Stärke und Trost.

Komm mit!
Wir gehen gemeinsam zum Kind!

Es wird dich heilen, wo du verletzt bist.
Wo du Angst hast, macht Gott dir Mut!

Er verbindet dir die Wunden deiner Seele,

deine gebrochene Beziehung zu Gott
macht dieses Kind wieder gesund.

Gott wird Kind, damit wir Kinder Gottes werden.“

Auch der zweite Weise
hat sich an den Hirten gewannt:

„Ja“, sagt er,
„Ein Stern hat uns Könige in Bewegung gebracht!

Wir lebten im Wohlstand
und dachten, Reichtum sei alles.

Nun erkennen wir:
Wir haben uns für wenig verausgabt.

Jesus schenkt Hoffnung, Glauben und Liebe.
Er macht uns reicher als wir je gewesen sind.

Ihm vertraue ich mich an.

Seit Jesus die Mitte meines Lebens ist,
kann ich auf vieles verzichten,
ich kann freigiebig sein und schenken.

Das Wertvollste aber, was ich bringen kann,
bin ich.

An Weihnachten schenkt Gott sich
als Kind in der Krippe.
Wie sollte ich ihm nicht alles schenken?“

Auch der dritte Weise schaltet sich ein:
„Schau mal Hirte!“, sagt er,

„Es braucht nicht viel,
um sich in Bewegung zu setzen.

Gott gibt uns Licht, Orientierung, ein Ziel.
Und es gibt Menschen, die sind mit auf dem Weg.

Gott hat unserem Leben einen Sinn gegeben.

Ich gebe zu:
Seit ich mich auf ihn ausgerichtet habe,
ist sogar mein Rotieren weniger anstrengend.

Wenn es mir schlecht geht,
dann denke ich an das Kind in der Krippe,
ich fange an, mit ihm zu reden. Das tut mir gut.
Ihm klage ich, was mich belastet.
Dann wird es mir leichter.
Versuch es doch auch mal!“

Der Hirte ist über diese Worte ganz still geworden.
Er denkt nach.

Dann merkt er: die Worte der Weisen
haben seiner Bewegung Schwung gegeben,
jetzt dreht er sich fröhlich.

Liebe Festtagsgemeinde,

Gott hat sich als Kind in unsere Mitte gegeben,
damit wir Halt haben und Trost,
eine Orientierung und ein Ziel.

Das Kind in der Krippe gibt unserem Leben Sinn.
Das zu erkennen, macht fröhlich,
auch wenn sich die Freude nicht sofort einstellen mag. Irgendwann bricht sie sich Bahn.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.