Predigt zum Sonntag Invokavit am 10.02.2008

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe GD-Gemeinde,

„Versuchung“ ist das Thema des heutigen Sonntags.
Wir kennen dieses Wort aus der Werbung:

„Milka – die zarteste Versuchung,
seit es Schokolade gibt.“

Oder – wie die Zigarettenmarke „West“ – verspricht:
„Das Schönste der Versuchung ist, ihr nachzugeben.“

Und auch der englische Dichter Oscar Wilde
sagte einmal:

„Das Lebensziel, wenn man eins hat, ist einfach,
stets nach Versuchungen Ausschau zu halten.

Es gibt annähernd nicht genug.“
Und das sei fürchterlich, da er ihnen gerne erliege.
Lasziv, prickelnd, lasterhaft, lebenswert, erotisch.

Allein der Begriff „Versuchung“ -- legt nahe,
ihr nachzugeben. ----

Ganz anders erscheint die Versuchung,
wenn wir auf den heutigen Predigttext hören.

Dieser Text steht im Brief des Jakobus, Kap. 1,
V. 12-18. -- Da heißt es:

Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet;
denn nachdem er bewährt ist,
wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.
Niemand sage, wenn er versucht wird,
dass er von Gott versucht werde.
Denn Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht niemand. Sondern ein jeder,
der versucht wird, wird von seinen eigenen Begierden
gereizt und gelockt. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Irrt euch nicht, meine lieben Brüder und Schwestern. Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab, von dem Vater des Lichts, bei dem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichts und der Finsternis.
Er hat uns geboren nach seinem Willen
durch das Wort der Wahrheit,
damit wir Erstlinge seiner Geschöpfe seien.
-- Gott, segne an uns dein Wort.

Liebe GD-Gemeinde,
Was macht das Leben sinnvoll? ----

Oscar Wilde hat so gefragt
Vielleicht stellen Sie sich diese Frage auch. ----

So ähnlich diese Frage bei vielen sein mag,
so unterschiedlich fallen ihre Antworten aus.

Wann immer ich Menschen frage,
was das Leben sinnvoll macht,

was zu einem gelingenden Leben führt, --
höre ich ganz unterschiedliche Gedanken.

Unsere Konfirmanden - zum Beispiel -
haben in einer Unterrichtsstunde gesagt:

Zu einem sinnvollen Leben gehören für sie

Familie, Freunde, Arbeit, Zuneigung, Liebe,
aber auch Geld, Schmuck, Fernseher oder Schminke.

Einigen dieser Begriffe werden wir zustimmen,
anderen nicht.

Sicher kann jeder von uns
auch noch eigenes hinzufügen,

je nachdem was wir für sinnvoll halten,
was – unserer Meinung nach –
das Leben gelingend macht. ----

Es kommt bei einer Antwort
natürlich auch auf die Situation an,

in der ein Mensch sich befindet:

Ein älterer Mensch wird - mit einem sinnvollen Leben
andere Begriffe verbinden, - als jemand, der jung ist.

Bei Älteren wird häufig die Gesundheit
als wichtigstes Gut genannt.

Bei den alten Griechen -- hat der Philosoph Sokrates
auf die Frage nach einem sinnvollen Leben gesagt:

Der Sinn des Lebens sei es,
glücklichselig zu sein.

Glückseligkeit sei das höchste Ziel des Menschen.
Nach diesem Ziel richte der Mensch sein Leben aus. --
Gar nicht so verkehrt – werden einige denken.

Jemand, der glücklich ist, ist zufrieden,
dem geht es gut,

der ist innerlich und äußerlich ausgeglichen,

er befindet sich in Harmonie mit Gott und der Welt,
in Harmonie mit sich selbst,

der ist selig.

„Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet“ -- schreibt Jakobus in seinem Brief,

der unser heutiger Predigtext ist,
und er schreibt weiter:

„denn nachdem er bewährt ist,
wird er die Krone des Lebens empfangen.“
Selig ist, wer nicht der Versuchung erliegt. ----
Was würden wir als Versuchung begreifen?

Auch hier werden unsere Antworten
höchst unterschiedlich sein:

Einigen fallen vielleicht physische Genüsse ein:
Zigaretten, Schokolade – wie die Werbung schreibt.

Aber: Sollte der Genuss von Essen,
der Genuss im Leben oder am Leben

schon Sünde sein? ----

Viele werden die meisten den Satz kennen:
„Heute habe ich gesündigt.“

So sagen Menschen,
wenn sie etwas Kalorienreiches gegessen haben.

Sünde als Anhäufung von Kalorien –
das ist mit dem Begriff in der Bibel
sicher nicht gemeint.

Sünde, wie die Bibel sie beschreibt,
ist ein anderes Ereignis.

Obwohl beim Sündenfall von Adam und Eva
als auch in der Versuchungsgeschichte Jesu

Essen eine Rolle spielt:

In der Sündenfallgeschichte
essen Adam und Eva

die Früchte vom Baum der Erkenntnis.

In der Versuchungsgeschichte Jesu
soll er seinen Hunger durch ein Wunder stillen,

in dem Jesus Steine in Brot verwandeln soll.

Beiden Geschichten zufolge entsteht Sünde,
wenn Menschen versuchen,

aus eigener Kraft, durch eigenes Handeln
zufrieden zu werden – selig zu sein ohne Gott.

Sündenfall und Versuchungsgeschichte
sind nicht von gestern.

Beide Texte sind hoch aktuell.

Was in ihnen über das Wesen des Menschen
gesagt wird,

ist nicht fern von uns, sondern nah,
es betrifft uns auch heute:

Auch heute streben Menschen danach,
selig zu werden, -- zufrieden zu sein, -- glücklich,

im Einklang zu leben mit sich und mit der Welt,
Jesus würde sagen: „in Liebe zu Gott,
zu seinen Nächsten und zu sich selbst“.

Nur: Wie wir dahin kommen,
da hat jeder seinen eigenen Weg. ----

Manch einer versucht,
durch Anhäufung materieller Güter selig zu werden.

Da wird gekauft und gehortet
was das Portemonnaie hergibt,

oft auch darüber hinaus.

Schwelgen im grenzenlosen Einkauf,
Menschen im Konsumrausch:

sich berauschen und dann immer wieder,
in immer kürzeren Abständen.

Gefangen in einem Kreislauf,
zieht das Leben immer kleinere Kreise,
entsteht durch den Rausch ein Sog,

der Mensch mit hineinzieht,
aus dem Rausch wird ein Zwang.

Der Zwangshandelnde verliert die Fähigkeit,
seine Situation realistisch einzuschätzen.

Schuldenberatungen warnen davor,
dass immer mehr sich verschulden. ----

Was steckt hinter dieser Kauflust? --

Steckt nicht die Sehnsucht dahinter, zufrieden zu sein,
glückselig zu werden aus eigener Kraft?

Menschen, die versuchen,
aus eigener Kraft selig zu werden,

erfahren auch,
dass der Mensch scheitern kann,
wie in der Sündenfallgeschichte, wo es heißt:

Der Mensch soll nicht
vom Baum der Erkenntnis essen.

Und er tut es doch.

So erfährt er, dass er nackt ist,
endlich, sterblich, verletzbar.

Menschen können Fehler machen.

Gott warnt davor,
nicht weil Gott Freude hat, Verbote auszusprechen,

Gott handelt aus Liebe zu uns.

Gott warnt,
damit Menschen nicht verletzt werden.

Nun könnte einer hingehen und sagen:

Damit ich nicht verletzt werde
– weder durch mich noch durch andere –

meide ich alles, was verletzten kann,
ich packe mich also sprichwörtlich in Watte.

Ich meide das Leben und die Versuchungen darin,
ich meide sie wie der Teufel das Weihwasser.“

Wer so denkt, der wird vielleicht nicht verletzt, er wird aber auch sehr weltabgewandt,

eigentlich auch sehr freud- oder lustlos werden.

Der lebt zwar in Sicherheit, ohne Risiko,
aber eigentlich führt er ein Schattendasein,

ohne die Schönheit des Lebens,
die Lust und die Freude daran zu bemerken.
Aber Gott ist ein Gott des Lebens – wie Jesus sagt:

Gott hat die Menschen ins Paradies gestellt,
er gab ihnen den Garten Eden,

Gott hat das nicht gemacht,
damit sie mit hängenden Schultern

und Scheuklappen auf den Augen
durch’s Leben gehen,

Gott hat den Menschen ins Paradies gestellt,
damit sie die Schönheit und die Fülle darin genießen.

Auch wenn das Paradies
– wie die Sündenfallgeschichte sagt – verloren ging.

Wir haben doch unser Leben als Geschenk –
das gilt es auszukosten und zu genießen,

weil jede Sekunde darin einzig ist
und nie mehr wiederkehrt.

Menschen können Fehler machen.
Das liegt in der Natur des Menschen.

Gott hat uns so gemacht.

Dabei hat Gott uns auch die Fähigkeit gegeben,
Entscheidungen zu treffen,

und manchmal entscheiden wir uns richtig,
manchmal falsch.

Dieses Risiko hat Gott uns mitgegeben.
Auf dieses Risiko mit uns lässt Gott sich ein.

Aber Gott zeigt uns auch, wie das Leben gelingt,
wie der Mensch selig werden kann.

Jakobus hat diese Weisung Gottes so beschrieben:

„Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet;
denn nachdem er bewährt ist,
wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.“

In diesen Worten des Jakobus
steckt eine ungeheure Ermutigung drin.

Und diese Ermutigung lautet: Lebt!
Lebt mit der Versuchung und bewährt euch darin.

Ihr könnt angefochten werden -- ihr werdet es auch,
das liegt in der Natur des Menschen:

Haltet diese Anfechtung aus – das ist der Weg!
Haltet aus, dass ihr versucht werdet,

haltet aus, dass ihr selbst wie Gott sein mögt,

dass ihr versucht werdet,
aus euch selbst heraus selig zu werden,
und haltet euch an Gott.

Haltet fest daran, dass Gott uns gibt
was wir zum Leben brauchen.

dass Gott unser Leben sinnvoll
und uns selig macht.

Erhaltet euch eure Beziehung zu Gott.

„Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet;
denn nachdem er bewährt ist,
wird er die Krone des Lebens empfangen, die Gott verheißen hat denen, die ihn lieb haben.“

Liebe Gemeinde,

die Krone des Lebens --
das ist auf der Seite des Lebens

mit Gott in Beziehung zu sein.
Ein Lied, in dem solches Vertrauen auf Gott
zum Ausdruck kommt,

hat der Dichter Matthias Claudius geschrieben.

Es gehört zu den bekanntesten Liedern
unseres evangelischen Gesangbuchs.

Es ist ein Lied, das wir zum Erntedank singen,

dabei kann dieses Lied alle Tage –
auch an diesem Tag gesungen werden.

So lasst uns mit diesem Lied auf den Lippen
und dem Vertrauen, das Gott in unsere Herzen legt,

das Gut empfangen, das Gott uns geben wird. ----

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.