Luthers Tierfabeln zu Harfe und Mandola

Zum diesjährigen Reformationsjubiläum gastierte das „Shamrock-Duo“ – Jupp und Hilde Fuhs – mit seiner musikalischen Lesung „Martin Luthers Tierfabeln“ am 11. November in der Kettenheimer Kirche.

Während Jupp Fuhs Fabeln las, Trommel, Löffel und Streichpsalter bediente, brachte Hilde Fuhs Harfe und Mandola zum Klingen.

 

Martin Luther war nicht nur Bibelübersetzer, Seelsorger, Prediger und Lieddichter. Um die Bildung des gemeinen Volks zu fördern, hat er antike Fabeln des Dichters Äsop, der etwa 600 Jahre vor Christus lebte, in die neuhochdeutsche Sprache übersetzt. Dabei bediente er sich einer lateinischen Ausgabe des Arztes Heinrich Steinhöwel. Bald kamen eigene Fabeln des Reformators hinzu, wie die von „Fuchs und Rabe“, in der es dem schlauen Reineke gelingt, mit einer List dem eitlen Vogel ein Stück Käse abzunehmen, oder „Löwe und Esel“, die beide um den Königsthron wetteifern. Auf jede Fabel folgte die Moral, die von Jupp Fuhs schmunzelnd mit erhobenem Zeigefinger vorgetragen wurde, etwa: „Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen.“, „Undank ist der Welt Lohn.“, „Hilf, der frommen Leute zu mehren, der Bösen sind es sonst zu viele.“

Die Deutung der Geschichten untermalte Hilde Fuhs mit leisen Harfenklängen. Dazwischen gab sie unterschiedliche Lieder zu Gehör, wie die von ihr vertonten Gedichte von Schiller, Goethe und Morgenstern, Edgar Allen Poes berühmtes „The Raven“ sowie keltische Weisen. Zu Beginn der Veranstaltung hatte sie „Ein feste Burg ist unser Gott“ gesungen, dessen Text und Melodie von Martin Luther sind. 

Das Publikum lauschte andächtig und mit Genuss den gesungenen und gelesenen Vorträgen. Manche Fabel und deren Moral wurde mit bedächtigem Kopfnicken oder Schmunzeln quittiert. Zum Abschluss zitierte Hilde Fuhs den Reformator: „So müssen also die Tiere in den Fabeln all die Schlechtigkeiten auf sich nehmen, die nicht ihre eigenen, sondern die der Menschen sind.“ Dann sang sie als Zugabe „Amazing Grace“. Nachdem die Altstimme im Kirchenraum verhallt war, belohnte die Zuhörerschaft die beiden Künstler mit lang anhaltendem Applaus. Im kommenden Jahr wird das Duo wieder im Kettenheimer Grund zu Gast sein. Dann wird es einen musikalischen Vortrag zum irischen „Book of Kells“ geben. Ort und Zeit der Veranstaltung werden auf unserer Webseite noch bekannt gegeben.