Predigt zum 2. Advent 2007

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe GD-Gemeinde,

heute habe ich wieder ein Türchen
an meinem Adventskalender aufgemacht.

Ich mag das.

Ich finde es spannend, die richtige Tür zu finden,
sie zu öffnen und zu sehen, was dahinter ist.

Wir Menschen öffnen ja viele Türen: Jeden Tag.

Ich weiß nicht, ob Sie wissen wie viele Türen
Sie an einem Tag geöffnet haben.

Ich habe meine jedenfalls nicht gezählt.

Ich weiß aber,
dass ich durch manche Türen gerne gehe,
durch andere eher nicht. ----

Sicher fallen Ihnen auch Türen ein,
die Ihnen lieb -- oder unangenehm sind.

Jemand,
der die Tür zu einem Prüfungsraum aufmacht,

mag diese Tür vermutlich weniger.

Jemand, der eine Operation vor sich hat,
mag die OP-Tür vermutlich auch nicht.

Jemand, der hingegen -- nach einem langen Arbeitstag oder einer längeren Reise nach Hause kommt,

der wird sich auf seine Haustür vermutlich freuen --
und darauf, hindurch zu gehen. ----

Türen gibt es viele.
So manche Türen haben sich im Laufe unseres Lebens verändert:

Die Tür zum Schulhaus,
in das wir als Kinder gegangen sind,

die ist für immer zu.

Heute durchschreite ich wieder Schultüren
für den Religionsunterricht

diesmal aber als Lehrerin.

Und ich durchschreite die Schultür
mit einem anderen Bewusstsein,

das zeigt, dass auch ich mich verändert habe
oder verändert worden bin.

Andere nehmen die Tür zur Schule als Eltern
zusammen mit ihren Kindern,
bei Elternabenden, Schulaufführungen usw.

Immer wieder gibt es Türen,
die wir hinter uns haben,

und neue Türen, die uns in neue Räume bringen.

Nicht immer wissen wir,
was hinter einer Tür auf uns zukommt.

Es ist wie bei einem Adventskalender. ----
Türen sind Durchgangsstationen durch das Leben.

Im Leben durchschreiten wir ebenfalls Räume,
kommen von einem zum anderen.

Diese Räume sind: Kindheit, Jugend, Ausbildung, Lehre, Beruf, erste Liebe, Ehe, Geburt von Kindern,

Trennung, Partnerwechsel, Rente,
Verlust eines Menschen.
Manche dieser Räume mögen wir gerne, andere nicht.

Und meist sind die Türen,
die uns zu diesen Räumen bringen,

besondere Momente -- wie die Einschulung,
die ein Kleinkind zu einem Schulkind werden lässt,

wie die Konfirmation, die zeigt,
dass Jugendliche erwachsen werden,

wie die Trauung,
die verdeutlicht, dass zwei Menschen ganz offiziell -- zusammen sind.

Jubiläen zeigen:
Menschen werden reifer, erfahrener, älter.

Eine Trennung, eine Verabschiedung aus dem Beruf, der Verlust eines Menschen zeigen,

dass eine neue Lebensgestaltung nötig wird. ----

So gibt es verschiedene Türen,
unterschiedliche Räume, verschiedene Aufgaben,

vor die uns das Leben stellt. ----
Das kennen wir aus eigener Erfahrung. ----

Im Laufe eines Jahres kehren manche Räume
immer wieder,

tun sich verschiedene Türen stets von neuem auf.
Die Jahreszeiten zum Beispiel, Feiertage und Feste.

Türen, die für mich zum Dezember gehören,
sind auch die an meinem Adventskalender.

Die 24. ist eine besondere Tür.
Sie sagt: Bald ist Weihnachten! ----

Ich gestehe, ich mag den Dezember.
Es ist eine besondere Zeit.

Und manchmal spüre ich oder ahne zumindest:
Es ist eine heilige Zeit.

Diese Ahnung wird mit jedem Tag,
mit jeder Tür deutlicher.

Gut, wenn Türen immer so leicht aufgehen
wie die an meinem Kalender.

Aber es gibt auch Türen,
die knarrend und sperrig sind.

Jeder von uns hat solche Türen schon erfahren:

Türen, die wir nicht aufgebracht haben,
die uns verschlossen geblieben sind,

im wörtlichen wie im übertragenen Sinn:

sei es, dass die Liebe,
die wir für einen Menschen empfanden,

nicht erwidert worden ist,

sei es, dass ein Karrieresprung,
ein beruflicher Wechsel - für uns nicht wahr wurde.

Verschlossene Türen gibt es viele. ----

Eine Tür, die sich von uns nicht öffnen lässt,
bei der -- bildlich gesprochen -- 

die Klinke auf der anderen, der für uns verborgenen Seite ist, hinter dieser Tür ist Gott.

Diese Tür kann nur Gott aufschließen.
Von eben jener Tür erzählt unser heutiger Predigttext.

Ich lese aus dem Buch der Offenbarung des Johannes, Kap. 3, die Verse 7-13.
Es ist ein Brief des Seher Johannes
an die christliche Gemeinde in Philadelphia.

Johannes, der Verfasser der Offenbarung,
schreibt diesen Brief heute an uns:

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige,
der da hat den Schlüssel Davids, der auftut,
und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet.
Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge
des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind's nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe.
Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast,
will auch ich dich bewahren vor der Stunde
der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.
Siehe, ich komme bald; halte, was du hast,
dass niemand deine Krone nehme!
Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler
in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr
hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes,
die vom Himmel hernieder kommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat,
der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!
---- Gott, segne an uns dein Wort.

Liebe GD-Gemeinde,

es gibt nicht nur sperrige Türen,
es gibt auch sperrige Texte.

Sperrig sind hier die Worte,

über die einer beim Lesen,
erst recht beim Hören stolpern kann:

Da ist von der Synagoge des Satans die Rede.
Der Satan passt für mich nicht zum Advent.

Besonders empfindlich reagiere ich aber
auf seine Verbindung mit dem Wort „Synagoge“.

Ganz sicher aufgrund unserer dt. Geschichte.

Wenn wir aber genau hinhören, dann merken wir:
Johannes betreibt keine Judenpolemik.

Die aus der Synagoge des Satans sind,
schreibt er – sind keine Juden.

Zur Synagoge des Satans gehören die,
die die christliche Gemeinde verfolgen,

doch dazu gehörten eben auch Menschen
jüdischen Glaubens
wie Saulus, bevor er zum Paulus wurde.

Johannes Wortwahl ist und bleibt also drastisch,
gerade auch in ihrer Wirkungsgeschichte:

Die Folge solcher Sätze waren Pogrome,
Judenverfolgung, die am Ende in Auschwitz gipfelt.

Auch kein schönes Thema für den Advent.
Und doch: Advent ist Bußzeit.

Also ist es richtig, auch mal solche Texte
mit solchen Themen an zu sprechen,

und dann kritisch mit unserer Zeit, unserer Geschichte und uns selbst zu sein – nicht nur im Advent. ----

Wenn wir jetzt aber mal weghören
von diesen sperrigen, polemischen Worten,

uns hinwenden zu dem,
was Johannes an froher Botschaft,

an Hoffnungsworten zu uns sagt,
dann finden wir eine ganz wunderbare Botschaft.

Und diese Botschaft sagt:
Die Tür zu Gott ist auf.

Diese Tür, die wir nicht öffnen können, die ist offen!
Jesus Christus hat sie von innen aufgetan.

Wer durch diese Tür hindurch geht,
der findet Gott,

der wird ein Pfeiler, ein tragendes Element
in Gottes Tempel sein,

und er wird einen neuen Namen haben:
den Namen Gottes und des neuen Jerusalem,

das vom Himmel kommt,
der gehört zu Gottes Reich.

Und das heißt:

Es wird ein Ende dieser Welt geben,
ein Ende für alles, was Leid bringt und belastet.

Und es wird das Vollkommene kommen:
Gottes Reich,

ein neuer Raum – eine neue Zeit – Ewigkeit.

Die Tür dahin ist auf,
und wir werden durch sie hindurch schreiten. ----

Wer weiß, vor wie viel Türen wir bis dahin
noch stehen werden,

durch wie viele Räume wir bis dahin noch schreiten.

Wir wissen nicht,
hinter welcher Tür das Reich Gottes liegt.
Es könnte hinter jeder Tür zu finden sein.

Doch Weihnachten ist schon eine besondere Zeit:

An Weihnachten sehen wir schon einen Spalt weit
durch jene Tür in Gottes Reich hinein.

Eines Tages wird die Tür in Gottes Reich dann unsere letzte Tür sein.

Wenn wir durch sie hindurchgehen,
werden wir ganz und gar bei Gott sein.

Bis es soweit ist, kommt Gott uns mit seinem Reich entgegen. Darum: machen wir uns bereit!

Advent ist Vorbereitungszeit –
auch eine Zeit der seelischen Vorbereitung.

Dass uns diese gelingen möge, dazu geben Gott uns seinen reichen Segen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.