Freimersheimer Stumm-Orgel tönt wieder

Endlich hat sie wieder Töne, die Orgel der Ev. Kirche in Freimersheim. Sie konnte im Gottesdienst am 4. Mai feierlich wieder in Dienst genommen werden. Die Freimersheimer Schülerin Meggan Guadagnoli begann mit dem Orgelvorspiel. Anschließend übernahm der Organist der Gemeinde, Dr. Michael Busch, die Begleitung der Lieder und der Liturgie. Das Nachspiel hatte wieder Meggan eingeübt. Nach dem Gottesdienst gab der Chef der Orgelbaufirma aus Merxheim, Rainer Müller, eine Einführung in die vorgenommenen Sanierungsarbeiten und informierte über die Entstehungsgeschichte des Instruments. Dazwischen brachte Pfr. Eric Bohn zur Verdeutlichung der frisch rekonstruierten historischen Stimmung Klangbeispiele zu Gehör. Eine Gruppe Interessierter versammelte sich auf der Empore, andere lauschten in den Kirchenbänken dem Spiel.

Die Freimersheimer Stumm-Orgel erstrahlt äußerlich im neuen Glanz. Das Gehäuse wurde farblich ausgebessert, die zur Zierde dienenden Prospektpfeifen aufpoliert.
Fotos: Anja Krollmann

 

Neu ist die Orgelbank. Sie wurde nach dem Muster der Stumm-Orgel in Bornheim, die zur selben Zeit wie das Freimersheimer Instrument entstand, rekonstruiert. Der Spielschrank, der etwa um das Jahr 1970 vor Tastatur und Register gebaut worden war, wurde zugunsten des ursprünglichen Aussehens der Orgel entfernt, die Spiel- und Registermechanik repariert. Rekonstruiert wurde die Pedalstruktur.

Hatte man vor Beginn der Restauration noch vermutet, das Instrument stamme aus der zweiten Generation der Orgelbaufamilie Stumm aus Rhaunen-Sulzbach, kam man während der Sanierung zu einem anderen Ergebnis: „Als Baujahr der Orgel ist in der bisherigen Literatur „vor 1764“ genannt. Das Fehlen des Tones Cis in der Klaviatur lässt ein Datum vor 1750 vermuten.“ So schreiben die Orgelsachverständigen des Ev. Dekanats Alzey, Rainer Gross und Hartmut Müller, in ihrem Abnahmeprotokoll und abschließenden Gutachten. Diese Erkenntnis zur Datierung des Instruments macht die Freimersheimer Orgel noch wertvoller und besonders, da - im Gegensatz zu anderen Orgeln - an der hiesigen wenig verändert wurde. Ihr Gehäuse und die meisten Pfeifen sind original geblieben.

Zur optischen Komplettierung des Äußeren haben die bestehenden Register neu geschriebene Schildchen bekommen.

Zur Historie der Freimersheimer Orgel schreiben die Experten noch: „Im Sommer 1745, während des Aufbaus der Paulskirchenorgel in Kirchheimbolanden, besuchte Johann Michael Stumm und nach ihm seine Söhne Johann Nikolaus und Johann Philipp die Gemeinde Freimersheim. Wahrscheinlich wurde in dieser Zeit über den Orgelbau verhandelt... Dies würde eine Datierung in die Jahre zwischen 1745 und 1750 nahelegen.“

Hartmut Müller bei der Abnahme des sanierten Kleinods: „Durch die Nachintonierung hat die Orgel klanglich enorm gewonnen.“ A.K.