Predigt zum Sonntag Okuli am 24.02.2008

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe GD-Gemeinde,

der Predigttext für den heutigen Sonntag
erzählt eine Geschichte,

die im Reich des Königs Ahab
und seiner Königin Isebel handelt,

eine Geschichte im damaligen Israel,
zur Zeit des Propheten Elia.

Elia war ein Erfolgstyp:
Er gehörte zu den großen Machern,

den Rednern, die beachtet wurden,
einer, dem alles gelang.

Dabei waren die Umstände seiner Arbeit
alles andere als günstig:

Elia war ein Einzelkämpfer,
und oft stieß er auf heftigen Widerstand:

Isebel, des Frau des Königs,
verehrte den Gott Baal.

Ihretwegen hatte Ahab einen Tempel bauen lassen
Priester angestellt, die für Baal Dienst taten.

Diese Priester wurden von Steuergeldern bezahlt.

Der König und seine Regierung
verehrten also nicht Jahwe, den Gott Israels,
sondern Baal.

Und als ob das nicht schlimm genug sei:

Die Priester und Propheten Jahwes,
wurden auch noch getötet.
Schlimme Zeiten, von denen wir hören:
Verfolgung und Religionskrieg.

Nur ein Mann, der auf der Seite Jahwes stand,
war übrig – das war Elia.

Elia war ein von Gott beschützter Mann:

Immer, wenn es brenzlig wurde,
er um sein Leben fürchten musste,

entrückte Jahwe ihn in einer Wolke.
So konnte er entkommen.

Elia wollte nun den Kult um Baal beenden.

Darum forderte er die Priester des Baal
zum Wettstreit auf.

450 Priester gegen einen Mann.
Den Priestern ließ er sagen:
„Kommt, wir gehen auf den Karmel –
einen Gebirgszug südlich von Galiläa –

dort opfern wir Gott:
ihr opfert eurem Baal und ich opfere meinem Jahwe.
 
Der Gott, der sein Opfer durch Feuer annimmt,
der ist wahrhaft Gott,

der hat allein die Macht.“

Es ist also ein Wettstreit der Priester,
aber auch ein Wettstreit Gott gegen Gott.

Die Baalspriester fangen an:

Sie schlachten einen Stier,
legen die Stücke auf Holz.

Dann beginnen sie zu beten,
sie beten zu Baal, bitten um Feuer.
Doch das Holz brennt nicht.
Die Baalspriester werden immer heftiger.

Sie mühen sich ab:
klagen und flehen.

Aber das Feuer bleibt aus.

Dann kommt Elia,
schlachtet seinen Stier,

legt ihn auf Holz,
schüttet Wasser drauf – ein Eimer, zwei Eimer,
ganz viele.

Es soll ein richtiges Wunder werden.
Dann beginnt er zu beten.

Das Volk, der König, die Priester – sie alle stehen da, starr vor Schreck,
sie können es kaum glauben,
trauen kaum ihren Augen:
Der Holzstoß brennt.

Aber damit nicht genug:

Elia lässt die Priester des Baal gefangen nehmen,
dann tötet er sie eigenhändig: 450 Mann.

Elia der Mörder.
Der Sieger im Wettstreit für Gott.

Diese Geschichte kann nicht ohne Folgen bleiben.

Isebel hört von der Ermordung ihrer Priester
und rast vor Zorn: Sie sinnt auf Rache.

An dieser Stelle lese ich aus dem 1. Buch der Könige,
Kap. 19 die ersten Verse:

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte
und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten
zu Elia und ließ ihm sagen: „Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast!“ Da fürchtete er sich machte sich auf und lief um sein Leben und kam
nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort.
Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit.

Liebe GD-Gemeinde,
aus dem Jäger ist ein Gejagter geworden.

Der erfolgreiche Elia ist auf der Flucht.
Er flieht vor Isebel in die Wüste.

In die unwirtlichste und tödlichste Gegend,
in die ein Mensch fliehen kann.

Nirgends ein Schatten,
nur Sand, Steine, Geröll,
kein Baum, kein Strauch,
keine Menschenseele.
Die Luft flimmert vor Hitze.

Die Sonne am Himmel brennt auf der Haut,
der Sand unter den Füßen.

Blut rauscht ihm im Ohr,
die Zunge klebt ihm am Gaumen.

Sein Herz schlägt bis in den Hals.
Seine Beine sind müde und schwer.

Elia gibt auf.
So erzählen es die nächsten Verse:

und er kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: „Es ist genug,
so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin
nicht besser als meine Väter.“ Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder.

Liebe GD-Gemeinde,

Elia, der Macher.
Jetzt ist er einer, der nichts mehr machen kann.

Elia erfährt die Durststrecke seines Lebens.
Die Wüste ist wie sein Leben:

tödlich, trist, öde, leer,
ausgebrannt, burn out,

kraftlos, lustlos, verzweifelt,
ohne Hoffnung.

Vom Leben entfernt, dem Tod nahe.
Wo ist Gott?

Keine Wolke, die ihn rettet,
kein Manna, das vom Himmel fällt,
kein Wasser aus einem Felsen.

Solche Durststrecken kennen wir auch.
Auch uns fällt das Leben manchmal schwer,

sind wir dem Tod näher als dem Leben,

haben auch wir den Gedanken
von Gott verlassen zu sein.

Aber Gott ist da. Die Geschichte von Elia geht weiter:

Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: „Steh auf und iß!“ Und er sah sich um, und siehe,
zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot
und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen
und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
Und der Engel des HERRN kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: „Steh auf und iß! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“

Liebe GD-Gemeinde,
Gott handelt anders als wir es erwarten.
Zu Elia wird ein Bote gesandt,
er gibt Hoffnung und Nahrung.

„Du hast noch einen Weg vor dir.
Es gibt eine Beziehung zwischen dir und Gott.“

Und dann heißt es weiter:

Und er stand auf und aß und trank
und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage
und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.

Liebe Gemeinde,
an der Situation, dass Elia verfolgt wird,
hat Gott nichts geändert.

Nur eins ist anders:
Elia hat wieder Kraft.

Elia steht auf eigenen Füßen.
Und diese Füße tragen ihn:
einen Schritt nach dem andern
bis zum Horeb, dem Gottesberg.

Wollte er da hin oder hat Gott ihn geführt?

Die Bibel lässt diese Fragen offen.
Und die Geschichte geht noch weiter:

Und er kam dort in eine Höhle
und blieb dort über Nacht.
Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm:
„Was machst du hier, Elia?“ Er sprach:
„Ich habe geeifert für den HERRN, den Gott Zebaoth; denn Israel hat deinen Bund verlassen
und deine Altäre zerbrochen
und deine Propheten mit dem Schwert getötet,
und ich bin allein übrig geblieben,
und sie trachten danach, dass sie mir mein Leben nehmen.“

Liebe GD-Gemeinde,
Elia hat gemordet.

Jetzt klagt er die an, die ihn morden wollen.
Elia, der Eiferer für Gott.

Gott mit uns –

das haben christliche Kreuzfahrer
auf ihre Schilde geschrieben.

Gott mit uns –

das steht auf den Fahnen christlicher Armeen
der USA und Großbritannien.

Heiliger Krieg – gestern und heute.
Und jeder meint: Auf der richtigen Seite zu sein.

So auch Elia.

Elia war überzeugt davon,
dass er richtig gehandelt hat.

Gott mit uns – das stand auch auf seinem Banner.

Aber wo ist Gott?
Wieso hat Gott ihn überhaupt verfolgen lassen?

Elia ist sauer.
Der Eiferer für Gott – ist ein von Gott Enttäuschter.

Gott hört das Gebet eines Menschen,
der verzweifelt ist.

Und Gott antwortet.
Ich lese weiter:

Der Herr sprach: „Geh heraus und tritt hin
auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR wird vorübergehen.“
Und ein großer, starker Wind, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
kam vor dem HERRN her; der HERR aber war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben.
Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer;
aber der HERR war nicht im Feuer.
Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen.
Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang
der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm
und sprach: „Was hast du hier zu tun, Elia?“

Liebe GD-Gemeinde,

Gott liebt das Leben.
Das erfährt auch Elia:

in einer Stimme, die ins Herz spricht oder ins Ohr.

Selbst in der Wüste, am Rand des Lebens,
wo der Mensch sich fern meint von Gott,

in der Höhle des Elia und im Grab Jesu:
Gott ist da.

Wer tot war, wird leben,

wer sich fern meint von Gott,
dem kommt Gott nahe.

Lasst uns offen sein für Gottes Gegenwart.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.