Predigt am 8. Sonntag nach Trinitatis 2010

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott,
unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe GD-Gemeinde,

„Wann wird es endlich wieder Sommer?“ –
sang Rudi Carell.

Dann begann er – der Bilderbuchsommer!

„36 Grad und es wird noch heißer“ –
klingt es in einem anderen Lied,

so hatte es der Wetterbericht vorhergesagt,
und so kam es auch:

Es wurde heißer.
„Zu heiß“ – haben viele gesagt:

Den Landwirten verdorrte das Korn auf den Feldern,
Menschen setzte die Hitze zu.
Obwohl Menschen unter der Hitze gelitten haben,
ich war ehrlich gesagt froh über die Sonne.

Nach dem langen Winter, den wir dieses Jahr hatten,
habe ich mich nach Sonne gesehnt.

Licht macht froh, das haben Therapeuten erkannt,

deshalb wird Lichttherapie verordnet
für Menschen, die unter Depressionen leiden.

Sie werden vor künstliches Licht gesetzt,
gesundes Licht – könnte man sagen.

Es gibt auch ein ungesundes:
Wissenschaftler warnen vor UV-Strahlung.

Die Ozonschicht ist durchlässiger geworden.

Über Australien haben Forscher
erst kürzlich ein riesiges Loch entdeckt.

Für die Durchlässigkeit der Ozonschicht,
das wissen wir,
sind wir Menschen verantwortlich

durch Umweltschäden,
die wir mit herbeigeführt haben,

durch den Ausstoß von Kohlenmonoxid unserer Autos, der Schiffe und Flugzeuge,
durch FCKW aus Spraydosen.

Scheinbar bekommen wir diese Schäden nicht in den Griff.

Dadurch gibt es ein für uns schädliches Licht.
Menschen müssen sich vor der Sonne schützen.

Wer zu lange sonnt,
setzt sich der Gefahr eines Sonnenbrands aus
oder bekommt eines Tages Hautkrebs.

Direktem Sonnenlicht stehen wir
nicht mehr unbedenklich gegenüber wie früher.

Wir brauchen Schatten, weil der uns schützt.

Ganz im Gegensatz zu dieser Erkenntnis
hat der Apostel Paulus den Christen
ein Leben im Licht empfohlen.

Diese Empfehlung steht Eph 5,8b-14.
Darin schreibt der Apostel an uns:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts
ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist,
und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren
Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.
Denn was von ihnen heimlich getan wird,
davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.
Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.
Gott, segne an uns dein Wort.

Liebe GD-Gemeinde,
Paulus unterscheidet in seinem Brief sehr klar

zwischen Gut und Böse, Licht und Finsternis,
Frucht und unfruchtbaren Werken.

Wobei er mit Licht nicht die Sonne meint,
sondern Gott.

Alles, was in Gottes Gegenwart ist,
was von seinem Licht,
seiner Präsens angestrahlt wird, ist gut.

Alles, wo Gott nicht ist,
was nicht in seinem Licht,
nicht in seiner Präsens erstrahlt, ist böse.

Diese Unterscheidung klingt sehr einfach.

Nun haben wir aber gemerkt:
So einfach ist das Leben nicht.

Einerseits haben wir gehört:
Licht macht froh.

Andererseits sollen Menschen sich vor der Sonne schützen.

Nicht jedes Licht ist gut,
es gibt auch ein ungesundes.

Menschen bleiben daher lieber im Schatten.

Es gibt Mensche, die wollen gar nicht ins Licht,
im wortwörtlichen wie im übertragenen Sinn:

Menschen, die gehemmt sind oder schüchtern,
die möchten wenig gesehen werden,
trauen sich nichts zu,

halten ihre Fähigkeiten für zu gering,
halten sich selbst für unwichtig.

Solche Menschen bleiben gerne im Hintergrund,
leben lieber unauffällig.

Für sie ist Licht, das sie anstrahlt,
die Aufmerksamkeit von anderen
unangenehm, erschreckend, grell.

Wo das Licht einen Menschen trifft,
holt es ihn aus dem Schatten.

Andere Menschen suchen das Licht,
das Licht der Scheinwerfer,

die möchten gesehen werden,
berühmt sein um jeden Preis.

Manche geben die eigene Würde dafür auf,
um beachtet zu werden.

Ich meine Menschen in manchen Talkshows,
aber auch Teilnehmer von
„Deutschland sucht den Superstar“ oder Big Brother:

Da legen einige einen Seelenstrippties hin
vor laufender Kamera,
um ins Gespräch zu kommen,
Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Die Folgen solcher Aufmerksamkeit
werden sie möglicherweise bereuen,

aber das wird ihnen erst später bewusst.

Kritiker solcher Sendungen sagen:
Was da passiert, ist Menschen verachtend.

Andere sagen:
Wer dahin geht, ist selber Schuld.

Menschen, die die ihre Probleme,
ihre Fehltritte öffentlich zur Schau stellen,

die wissen, worauf sie sich einlassen,
die gehen bewusst dorthin,
bringen ihr Privatleben ins Fernsehen,

die plaudern jedes Detail wissentlich
vor einem anonymen Fernsehpublikum aus.

Folglich sind sie auch dafür verantwortlich,
wenn sie sich lächerlich machen,

wenn sie in der Sendung verspottet
oder später auf der Straße angepöbelt werden.

Meine Meinung ist eine andere:

Ich glaube, es gibt Menschen,
die können die Folgen ihres Handelns nicht absehen.

Das ist etwa so wie mit der Ozonschicht.

Da haben wir auch zuerst nicht gewusst,
welche Folgen unser Handeln haben wird.

Jetzt wissen wir es, aber viele leben einfach so weiter.

So gibt es auch Menschen,
die – obwohl sie es besser wissen –
dennoch in solche Sendungen gehen.

Einige gehen sogar mit der Hoffnung dahin,
dass ihnen dort geholfen wird.

Die glauben an ein ehrliches Interesse an ihnen.

Es ist schon eine Zeit lang her,
da sang Stefan Raab ein Lied mit dem Titel „Maschendrahtzaun“.

Darin hat er sich über eine Frau lustig gemacht,
die ihren Nachbarschaftsstreit um einen Gartenzaun
in eine Talkshow gebracht hat.

Vor laufender Kamera machte diese Frau sich
zum Gespött der Leute.

Auch sie suchte Hilfe in einer Sendung,
sie wollte Recht haben in ihrem Nachbarschaftsstreit.

Was sie bekommen hat, waren Spott und Hohn.

Diese Frau hat die Folgen ihres Handelns
nicht einschätzen können.

Andere haben hingegen gewusst,
welchem Licht diese Frau ausgesetzt wird,

die haben ihre Verspottung in Kauf genommen,

weil auch ein Stefan Raab vom Profit lebt,
und Sender mit ihm profitieren,

und weil es Zuschauer gibt,
die gerne auf primitive Art unterhalten werden.

Menschen wollen ins Licht,
geraten dabei aber ins Dunkel.
 
Auch bei denen, die berühmt sein wollen,
gehen die Scheinwerfer oft schnell wieder aus.

Das zeigen schon die Gewinner von DSDS,
wer kennt von denen alle Namen?

Ruhm hält nicht lange an.

Künstliches Licht ist vergänglich
wie das Berühmtsein auch.

Berühmtsein möchten dennoch viele,
vielleicht weil es für sie einen Wert darstellt

oder sie den Sinn ihres Lebens darin zu finden glauben,
oder weil Berühmtsein manchmal Reichtum
mit sich bringt.

Aber wie sieht es mit der Seele aus?

Beim Maschendrahtzaun sind Stefan Raab
und die Menschen hinter der Kamera reich geworden.

Reich wurde auch die Frau, aber sicher nicht an Geld,

reich wurde sie an negativer Erfahrung,
an Spott , womöglich auch an Scham.

Wer im Licht steht, wirft einen Schatten.
Wer im Licht steht, macht sich sichtbar für andere.

Wo Licht hinfällt, da trifft es auch auf Stellen,
die uns nicht gefallen.

Manches möchten wir nicht sehen
oder zur Schau stellen,
das lassen wir lieber im Dunkeln.

Dieses Nicht-gesehen-werden-wollen
beginnt schon mit dem Aussehen, mit dem Körper.

Wie viele finden an sich ihre Nase sie zu groß,
den Mund zu klein, den Bauch zu dick,
das Gesicht zu faltig.

Schönheitsoperationen liegen im Trend.

Auch die können wir mittlerweile
jede Woche im Fernsehen verfolgen,

Menschen, die sich nicht mögen,
die mit ihrem Aussehen unglücklich sind.

Manche von ihnen suchen nach Hilfe
auch im Licht der OP-Saal-Lampen.

Andere versuchen sich so zu akzeptieren wie sie sind.
Manche lernen es sogar.
Andere bleiben mit sich selbst unglücklich.

Vermutlich könnten viele von uns
mit sich unglücklich sein,
manche schauen daher lieber auf andere.

Wenn ich auf den anderen sehe,
schaue ich bei mir selbst nicht so genau hin.

Gott dagegen sieht hin.

Manches an uns möchten wir
auch vor Gott nicht zeigen.

Aber, der uns ansieht, liebt.
Das hat nichts mit unserem Äußeren zu tun.

„Ein Mensch sieht, was vor Augen ist,
Gott aber sieht das Herz an“, so heißt es 1. Sam 16,7.

Gott sieht, wer und was wir sind.

Dieser Blick kann durchdringend sein
etwa wie die Strahlen eines Röntgengeräts.

Die durchdringen auch den ganzen Menschen.

So wie bei einem Röntgengerät,
können wir vor Gott nichts vertuschen,
wir können uns nicht verstecken.

Gott sieht, auch das Böse.

So gesehen zu werden, wie wir sind,
dieser Gedanke kann für uns unangenehm werden.

Dabei brauchen wir uns vor Gott nicht zu schämen,
Gott, der uns ansieht, liebt.

Liebe GD-Gemeinde,
ich habe eben gesagt: Gott sieht auch das Böse.

Das Böse meidet ja bekanntlich das Licht.

Menschen, die etwas Böses tun,
etwas Verbotenes vorhaben,
die brauchen es finster.

Im Finstern wird so manche Tat vertuscht.
Einbrecher suchen die Nacht.

Im Licht würden sie gesehen,
ihr Tun würde entdeckt und bestraft werden.

„Du sollst nicht stehlen“ – heißt es in den 10 Geboten.

Und auch:
„Du sollst nicht begehren deines Nächsten Eigentum.“

Raub, Einbruch, Diebstahl
– darin stimmen die Bibel und unser staatliches Gesetz überein –
gehören in den Bereich der Finsternis.

Andererseits:
Es gibt im Strafrecht minderschwere Fälle,
zum Beispiel wenn jemand stiehlt, weil er hungert.

Diese Milderung gibt es in der Bibel nicht.

Die Bibel geht davon aus,
dass niemand stehlen muss, um zu überleben.

„Wenn jeder gibt, was er hat, dann werden alle satt“ –
so heißt es in einem Kinderkirchenlied.

Reichtum zum Teilen verpflichtet.

Keiner braucht in Finsternis zu leben,
wo Menschen im Licht der Liebe sind,
wo sie liebevoll aufeinander achten.

Wo Menschen die Sonnenseite des Lebens
nicht für sich beanspruchen,
sondern auch anderen gönnen,

wo Menschen mehr zusammenhalten,
da kann es auch im Leben anderer hell sein.

Wobei – wenn wir ehrlich sind –
ein bisschen finster ist es doch in uns allen,

zum Beispiel wenn wir dem Finanzamt
unsere Steuern erklären,

da wird – glaube ich – oft geschummelt,

und das – obwohl wir wissen,
dass dieses Geld allen zugute kommen soll,

zumindest dann,
wenn die Politiker sich an diesen Vorsatz halten.

Aber auch da gibt es solche und andere.

Letztendlich aber ist wohl keiner von uns
ganz im Licht oder ganz im Dunkeln.

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Nun kann es an einem Ort
nie gleichzeitig finster sein und hell.

Finsternis und Licht schließen einander aus.

Mehr noch. Der Apostel Paulus schreibt:
Dunkelheit wird vom Licht verwandelt.

„Das alles aber – die Werke der Finsternis –
wird offenbar, wenn's vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.“

Liebe GD-Gemeinde,

wer von uns im Keller Licht macht,
der erleuchtet auch die dunklen Ecken.

Finsternis wird in Licht verwandelt.

Mit Finsternis und Licht ist es genauso
wie mit Gut und Böse.

Wo Licht ist, da deckt es die Werke der Finsternis auf.

Und indem es sie aufdeckt, ans Licht bringt,
werden sie verwandelt.

Gott macht aus Böse Gut.

„Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen.“ So heißt es 1. Kor 4,5.

Gott holt ans Licht,
stellt Menschen aus dem Finstern ins Helle.

Gott geht ehrlich mit uns um,
Gott sieht Fehler, die wir machen,

und indem er diese Fehler sieht
und wir mit hinschauen,
werden sie verwandelt.

Sie können nicht mehr finster sein.
Das Böse funktioniert nur im Dunkeln.

Vorhin habe ich gesagt:
Gott ist Liebe. Gott sieht uns liebevoll an.

Möglich, dass wir uns bis dahin
gar in diesem Licht gesehen haben.

Möglicherweise sahen wir uns bisher
immer in einem anderen Licht.

Ich glaube, dass jeder und jede von uns
in Gottes Licht verwandelt wird, fähig wird zur Liebe,

dass er sich und die anderen wahrnehmen kann
wie Gott uns sieht, im Licht der Liebe.

Wer geliebt wird, ist fähig zur Liebe,
der kann sich und andere lieben wie sie sind.

Als Christen brauchen wir kein anderes Licht.

Als Christen stellen wir uns vor allem
nicht selbst ins Licht,
Gott strahlt uns an.

Gottes Liebe kommt zu uns.

Und indem sie zu uns kommt,
strahlt sie in uns und durch uns nach außen.

Gottes Liebe kann von uns reflektiert werden
wie die Sonne in einem Fenster oder in einem Spiegel.

Anders als die Sonne aber ist das Licht Gottes nicht schädlich.

Es ist gesund:

Es deckt auf, sieht uns an wie wir sind,
liebt und verwandelt, macht aus Böse Gut.

Für Gott müssen wir keine Schönheitsoperation  machen.

Für Gott müssen wir keine Superstars werden,
da müssen wir nicht berühmt werden,

weil wir es schon sind: Wir sind Gottes Kinder.

Jeder und jede von uns darf sich dessen rühmen,
darf das von sich sagen:

„Ich werde geliebt, ich bin Gottes Kind.“

Gottes Liebe macht unser Gesicht heller.

Einen anderen Ruhm, einen größeren Reichtum
kann es für uns Christen nicht geben.

Gottes Liebe zu uns strahlt.

Wahrheit, Gerechtigkeit und Güte, schreibt Paulus, sind Früchte des Lichts.

Wer liebt, ist ehrlich mit sich und anderen.

Wer liebt, sieht nicht zuerst den eigenen Vorteil,
der sucht auch, was dem anderen nützt,

der wird den anderen nicht verspotten oder verachten,
nicht seiner Menschenwürde berauben.

Wer liebt, steht auf der Seite des Lichts.
Wer liebt, kann gütig handeln,

der verzeiht wie Gott uns verziehen hat
in Jesus Christus.

Wer geliebt wird, kann lieben,
der sieht sich und andere im Licht der Liebe Gottes.

Gottes Liebe strahlt,
sie strahlt zu uns und von uns,

sie leuchtet und erleuchtet
auch was um uns herum ist.

Wir sind sozusagen Reflektoren der Liebe Gottes.
Wer liebt, lebt in Gottes Licht!

„So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten,
damit sie eure guten Werke sehen
und euren Vater im Himmel preisen!“

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.