Countdown für die Wiedereröffnung

Die Wochen seit Oktober waren hektisch. Verschiedene Firmen legten in der Kettenheimer Kirche gleichzeitig Hand an, um die Sanierung des Gebäudes zum geplanten Termin rechtzeitig fertig zu stellen. Die letzten Malerarbeiten erfolgten im unteren Bereich des Turmes. Dort wurden die Wände hellgelb, Fensterrahmen und Turmbogen in kräftigem Rot gestrichen. Das Rot ist durch graue Linien unterteilt, so dass einzelne Steine angedeutet sind. Der Turm, der aus dem 10. oder 11. Jahrhundert stammt, ist der älteste Teil des Bauwerks. Innen hebt er sich im neuen Anstrich durch kräftigere Farben optisch vom barocken Kirchenschiff ab.

Im Gewölbe des Turmes wurde eine historisch ältere Putzschicht gefunden, die im Zuge der Innenrenovierung durch einen Oberanstrich konserviert und dadurch erhalten wurde.
Foto von Heike Butz 

In der Kirche wurden Elektrokabel, Schächte und Rohre für die neue Heizung installiert. Alle Kabel laufen in einem Schaltschrank zusammen, von dem aus die allgemeine Elektroversorgung und die Raumtemperatur gesteuert werden.

Lange Schichten schoben Mitarbeitende der Firma aus dem Schwäbischen, die sich auf den Einbau und die Wartung von Kirchenheizungen spezialisiert und dieses Jahr auch in der Esselborner und Freimersheimer Kirche neue Elektroheizungen eingebaut haben.
Foto von Heike Butz

Die neue Heizung wird künftig eine Innentemperatur von 5 Grad halten und den Raum kurzfristig auf bis zu 19 Grad erwärmen können, wenn eine Veranstaltung darin stattfindet.

Neben Stromversorgung und Heizung wurden in der Kirche neue Lampen installiert. Sechs weiße Glassäulen hängen von der Decke. Spots im vorderen Bereich strahlen auf Altar, Kanzel und Kreuz. Eine dezent angebrachte LED-Lichtleiste erhellt das Innere des Turmes. Neu sind der dritte Lautsprecher auf der Turmseite sowie die Hörschleife unter den Holzböden, der den Trägern von Hörgeräten das akustische Mitfeiern des Gottesdienstes erleichtern soll. Mitglieder des Kirchenvorstandes und Architekt trafen sich im Zuge der Baumaßnahme öfter, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren und nächste Schritte der Neugestaltung zu besprechen.

Mit detaillierten Plänen informiert Martin Klenner die Anwesenden über den neuen Aufgang zur Kanzel, der von einer der Schreinereien im Kettenheimer Grund angefertigt worden ist.
Foto von Heike Butz

Anfang Oktober wurde der neue Altar im Kirchenschiff aufgebaut. Er ist aus dem selben Material wie die Bodenplatten und stammt aus dem gleichen Steinbruch. Seitlich sind die Wangen durch einen senkrechten Zwischenraum unterbrochen, was der massiven Optik des Tisches mehr Leichtigkeit verleiht. Vorder- und Rückseiten der Wangen sind aus gebrochenem Stein. Andere Flächen wurden glatt geschliffen. Zwischen Wangen und Altarplatte ist ein waagrechter Zwischenraum, der mit Blattgold unterlegt und gold gestrichen wurde. Unter dem Tisch läuft eine Steinplatte durch, die als Podest genutzt wird. 

Der Altar und das Kreuz an der Wand bilden zusammen die Mitte und das Schmuckstück des Altarraums.
Foto von Anja Krollmann

Auch das Gehäuse der barock gestimmten Orgel hat einen neuen Anstrich bekommen, der dunklem Eichenholz nachempfunden ist. Diesen Farbton hatte das Instrument, laut Befunduntersuchung, bevor es in späteren Jahren weiß gestrichen worden ist. Orgeln in Weiß zu streichen und mit Gold zu verzieren, war eine Modeerscheinung des Barock, informierte der Orgelsachverständige der EKHN, Thomas Wilhelm, bei seinem Besuch in Kettenheim. Der Sachverständige war wegen des Orgelanstrichs extra zur Beratung aus dem Hessischen gekommen.

Neben dem beim Orgelbau verwendeten Eichenholz, das naturbelassen und nur lackiert den Reichtum der Gemeinde zeigen sollte, haben weniger reiche Kirchengemeinden für ihre Orgeln Gehäuse aus Nadelholz erworben, welche dann entweder weiß gestrichen oder knall bunt bemalt worden sind. Da es sich bei der Kettenheimer Orgel um ein Nadelholz handelt, wurde die Eichenholzmaserung von der Restauratorin Ines Uhrig per Hand mit Farbe aufgetragen, wie das Foto unten zeigt. 

Foto von Anja Krollmann

Geschnitzte Teile, die das Instrument verzieren, wie die kunstvoll gestalteten Kapitelle im oberen Bereich, wurden mit Goldfarbe hervorgehoben. Die Kettenheimer Orgel in ihrer heutigen Form stammt aus dem Jahr 1983. Damals wurde das Hauptgehäuse durch zwei Seitenportale und ein Rückpositiv erweitert. Auch der Spieltisch und das konisch geschnittene Pedal sind aus den 1970er Jahren.

Da trotz Schutzfolie und Abdichtung Baustaub in das Gehäuse eindringt, wird das Instrument 2016 von einer Orgelbaufirma grundgereinigt, das heißt, es wird von Staub und Schimmel befreit. Letzterer hatte sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, die im Kirchenraum herrscht, entwickelt und muss entfernt werden, da das Instrument mehr Schaden nehmen kann. Gut klang die Orgel dennoch, als sie nach dem Entpacken erstmals wieder gespielt worden ist. Dekanatskantor Rainer Gross und Pfarrer Eric Bohn hatten sich des Instruments angenommen, es gestimmt und klanglich für gut befunden.

 
Die Orgel war vor dem Anstrich in Teilen in Eichenholzbraun, Hellbraun und Grau bemustert worden, eh man sich für einen Farbton entschieden hat. Pünktlich zur Wiedereröffnung war die Arbeit fertig geworden. Das Gehäuse erstrahlt im dunklen Eichenholzton.
Foto von Anja Krollmann